Dienstag, 03. November 2009
„Der Job als Österreichs Superpraktikant ist unbezahlbar.“ Abseits von Show, Satire und super Praktika Bedingungen
Während in ganz Österreich StudentInnenproteste für Diskussionen sorgen, sucht Finanzminister Josef Pröll mit Hilfe von ATV, Kronehit und Heute den „Superpraktikanten“. Was wie ein satirischer Gag anmutet, scheint der ÖVP Werbestrategie gerade recht zu sein. Die Zielgruppe der jungen motivierten Praktikumswilligen soll angesprochen werden.
Der/die PraktikantIn wird Josef Pröll eine Woche im Jänner nicht von der Seite weichen. Auf ATV meinte Pröll, er wird nichts ohne den PraktikantIn tun. In der Früh soll er schon im Dienstauto sitzen, auch bei Seitenblicken soll der PraktikantIn dabei sein, Jägerball und Nachtslalom in Schladming, so wie ein Politiker eben sein Politikverständnis auslebt.
Die Praktikumswoche gipfelt im Kennenlernen der Pröllschen Familie, der Sonntag soll auch mit dem Minister verbracht werden. Da wird schon die spätere Work-Life Balance und die Trennung von Privatheit und Arbeit erprobt.
Wie dieses Super-Praktikum arbeitsrechtlich gestaltet wird, ist in keinem schicken Blog oder Website zu lesen. Eines ist fix: unbezahlt wird es sein, Essen und Trinken soll der Praktikant aber bekommen. („Der Job als Österreichs Superpraktikant ist unbezahlbar... Kost und – wo nötig – Unterkunft bekommst Du aber natürlich“) Diese Beziehung mutet lehenartig an, der Lehnsherr und der (super) Vasalle?
Potenzielle PraktikantInnen werden in den nächsten Wochen gesucht, ein Tourbus soll vor Einkaufzentren und Kinos stehen, es wird ein elektronisches Voting geben, am Ende steht eine Finalshow.
Auf der Website wird dem Praktikanten ein Urlaub in Aussicht gestellt „weil die Arbeit in der Politik kein Zuckerschlecken ist, gibt es für Österreichs Superpraktikant anschließend eine Woche Urlaub - zur Erholung...“
Weil Praktika in der Arbeitswelt bei weiten noch kein Zuckerschlecken sind, ist es notwendig, dass es in Österreich eine verstärkte Diskussion über die Position von Praktika und die Jobchancen gut ausgebildeter Menschen gibt. Eine satirische Medienfacette hilft der Diskussion nicht weiter, sie macht sich sogar lustig über die existierenden Missstände.
Vielleicht kann dann die/der Pröllsche SuperpraktikantIn die Erfahrungen auf der Website der Grünen Initiative "Im Praktikum ausgenutzt?" berichten.