Sonntag, 01. April 2012
1. April - Zwei Veränderungen verbessern Praktika in Österreich
Die Gütesiegel-Initiative der ÖH
Pflichtpraktika gehören mittlerweile zum Erfahrungsschatz vieler Studierenden. Mehr als jeder zweite Studierende hat bereits Praktika-Erfahrung. Damit die Qualität von Praktika sichtbar gemacht und zudem gefördert wird, hat die ÖH gemeinsam mit der Plattform der Generation Praktikum als auch unter Beiziehung von VertreterInnen der Arbeiterkammer einen Kriterienkatalog entwickelt (z.B. Vorliegen eines schriftlichen Vertrags, adequate Betreuung, Bezug zu den Bildungszielen, etc), und das Gütesiegel für Pflichtpraktika seit April 2011 ins Leben gerufen.
Im ersten Jahr haben sich 17 Firmen um das Gütesiegel beworben, darunter einige Großbetriebe, Forschungs- und Beratungsunternehmen, aber auch der öffentliche Dienst ist zu finden. Das Foto zeigt das ÖH-Vorsitzteam Janine Wulz, Angelika Gruber und Martin Schott bei der Verleihung des Gütesiegels an die Republik Österreich (den Bund) vertreten durch die zuständige Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.
Somit wurden durch das Siegel erstmals mehrere tausend Praktika in Österreich bezüglich ihrer Qualität erfasst.
Derzeit läuft die Befragung der PflichtpraktikantInnen, aus den Ergebnissen wird sich erschließen, ob das Siegel für das Jahr 2012 weiter an die jeweiligen Firmen vergeben wird.
Hier die Nennung der Firmen/Betriebe in alphabetischer Reihenfolge, die sich 2011 um das Gütesiegel beworben haben: Austrian Institute Of Technology, Bawag P.S.K., Bundesrechenzentrum, Deloitte, ecoplus, Infineon, Joanneum Research, KTM, KPMG, Magistrat der Stadt Linz, Orange, PORR, PwC, Siemens, T-Mobile, T-Systems, Verdino.com.
Abschaffung von unbezahlten Praktika im öffentlichen Dienst
Unbezahlte Praktika (Volontariate) im öffentlichen Dienst wurden schon in den letzten Jahren als problematisch in der öffentliche Debatte gesehen. Im Besonderen waren diese im Außenministerium zu finden. So hat sich seit 2004 die Anzahl bis 2010 an VolontärInnen mehr als verdreifacht (von 2004 89 auf 2010 306 Personen)
Durch die neue Dienstrechtsnovelle (seit 1.1.2012 in Kraft getreten) werden Praktika nun neu geregelt: die Politik geht mit gutem Beispiel voran und schafft unbezahlte Praktika im öffentlichen Dienst ab! Praktikant sei nur jemand, wer „über die Schulter schaut, kommt und geht, wann er möchte“ (Beamtenministerin Heinisch-Hosek, 803. Bundesratsitzung, Dezember 2011). Sobald geregelte Arbeitszeiten gegeben sind, wäre dies schon ein reguläres Dienstverhältnis.
Was folgt nach der Evaluation?
Die von FORBA durchgeführte Evaluationsstudie „PraktikanInnen in Österreich“, die 2011 im Auftrag des Bmask erschien, stellte alle relevanten Studienergebnisse und Datenmaterial der letzten Jahre dar, als auch zeigte sie mögliche Handlungsrichtungen auf. Seitdem ist nichts passiert. Das leidige Argument neue gesetzliche Regelungen nicht anzustreben, um kein „Arbeitsrecht light“ für PraktikantInnen zu schaffen und seitens der Regierung nur auf mehr Information und Rechtsdurchsetzung zu setzen ist angesichts der wachsenden Zahl von (Pflicht)PraktikantInnen aus der Sicht der Plattform zu wenig.
Weitere Informationen zum ÖH-Gütesiegel findet sich hier.