Erfahrungsberichte
Dienstag, 11. Dezember 2007
"Das ist heuer schon mein zehnter Job!"

Ein Erfahrungsbericht eines Naturwissenschaftlers über Praktika, studentische Mikrojobs und Prekarität

Ich studierte Biologie und schloss das Studium Ende 2005 mit Auszeichnung ab. Anfang 2006 machte ich mich dann auf Jobsuche – freilich ohne Erfolg.
Dann machte ich ein unbezahltes Praktikum in einem großen Museum mit der sehr vagen Aussicht, daß irgendwann eventuell eine Teilzeitstelle frei wird. Das Praktikum brach ich aber bald ab, weil es frustierend ist, eine Arbeit ohne Bezahlung zu machen, wenn im selben Raum Leute sitzen, die exakt die selbe Tätigkeit gegen Bezahlung machen. Außerdem glaube ich, daß wir jungen Absolventen uns durch unsere Bereitschaft zu solchen Praktika den Arbeitsmarkt zum Teil selbst zerstören.

2007 arbeitete ich bei verschiedenen Projekten im Bereich Naturschutz und Umweltbildung – lauter interessante Jobs, für die ich auch bezahlt werde. Klingt toll – ist es aber nicht! Es ist extrem belastend, an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Es ist schwierig an diese Jobs zu kommen, die Aufträge sind sehr anspruchsvoll, und oft genug muss man dann noch monatelang seinem Geld nachlaufen.

Mir fällt auf, daß in vielen eigentlich anspruchsvollen Bereichen, wie zB die Betreuung wissenschaftlicher Sammlungen oder das Erstellen von Fachgutachten, kaum Akademiker angestellt werden. Stattdessen werden diese Aufgaben in hunderte Mikrojobs zerlegt, für die dann Studenten engagiert werden. Manchmal frage ich mich, was mir mein Magister eigentlich bringt!?

Ein Problem ist auch, daß unser Sozialsystem davon ausgeht, daß alle Menschen entweder fix angestellt oder sehr reich sind (obwohl es ja schon punktuelle Verbesserungen zB bei Neuen Selbständigen, etc gibt).

Momentan (Dezember 07) arbeite ich übrigens am Christkindlmarkt und verkaufe Holzschmuck. Das ist heuer schon mein zehnter Job!

Erik, 29 Jahre, Biologe