Freitag, 07. September 2007
EU will Charta gegen PraktikantInnen-Ausbeutung
EU-Kommission: Firmen tarnen schlecht bezahlte Arbeitsplätze als Praktika - Arbeitskommissar Spidla: "Skandalös"
Brüssel - Die EU-Kommission fordert mehr Engagement im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit. "Trotz der Bemühungen einzelner Staaten wurden keine wirklichen Fortschritte erzielt", beklagte EU- Arbeitskommissar Spidla am Montag. Besonders kritisierte er die "Ausbeutung" durch schlecht oder gar nicht bezahlte Praktikumsplätze. 2008 will er eine "europäische Qualitätscharta" für Praktika vorschlagen.
Viele Firmen würden schlecht bezahlte Arbeitsplätze als "Praktika" tarnen und damit "Sozialdumping" betreiben, kritisierte Spidla bei einer Pressekonferenz mit Bildungskommissar Jan Figel in Brüssel. Auf mögliche Inhalte der "Qualitätscharta" - etwa Mindestlöhne oder eine maximale Dauer - wollte er nicht eingehen. Das Ziel sei jedenfalls, dass vollwertige Jobs nicht durch Praktika ersetzt würden, betonte Spidla. Als "skandalös" bezeichnete er unbezahlte Praktikumsplätze.
Zu viele Schulabbrecher
Figel beklagte den hohen Anteil von Schulabbrechern. Demnach beenden 15 Prozent der europäischen Jugendlichen ihre Ausbildung vorzeitig, ohne entsprechenden Abschluss. Die EU-Kommission forderte die Mitgliedsländer daher auf, bei der Ausbildung der Jugendlichen mehr auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu achten, Freiwilligenarbeit zu fördern sowie die Chancengleichheit im Bildungssystem im Auge zu behalten.
Die Kommission selbst will den Sprung junger Arbeitskräfte ins Ausland fördern und künftig alle drei Jahre einen Jugendbericht veröffentlichen. Eine Gesetzgebungskompetenz hat die EU im Bereich der Jugendbeschäftigung und -ausbildung nicht, wie Spidla bedauerte. (APA)
derStandard.at, 7. September 2007