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Mittwoch, 09. Jänner 2008
2007 war das Jahr der Vernetzung

Die Plattform konnte die Kontakte national als auch international weiter ausbauen und brachte die erste Studie zum Thema PraktikantInnen- Beschäftigung in Österreich heraus

2007 ist zu Ende, es ist wieder Zeit eine Bilanz zu ziehen. Die Arbeit der Plattform war 2007 durch die Intensivierung der Vernetzungsaktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene sowie der Publikation der Plattform-Studie geprägt. Diese beiden Highlights werden nun näher erläutert:

Die von der Plattform im Juni herausgegebene Studie „Arbeit ohne Wert? Strukturmerkmale der PraktikantInnen-Beschäftigung im Hochschulkontext in Österreich“ stellt in Österreich die erste wissenschaftliche Erforschung der PraktikantInnen-Beschäftigung dar. Es zeigte sich, dass es sich bei der „Generation Praktikum“ trotz vieler Gemeinsamkeiten um keine homogene Gruppe handelt: Es arbeiten verschiedene junge Leute aus verschiedenen Motiven und Gründen in ein und derselben Jobform, nämlich einem Praktikum.
Dabei spielt es eine entscheidende Rolle in welcher Branche und in welcher Phase des Studiums ein Praktikum absolviert wird und ob es sich um ein Pflichtpraktikum handelt oder nicht. Weiters ist es von Bedeutung, ob es sich um ein Praktikum während des Studiums oder nach dem Abschluss handelt (insgesamt jede/r zweite AbsolventIn absolvierte ein oder mehrere Praktika nach Uniende).
Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen häufiger (unbezahlte) Praktika machen als Männer, die Praktika verstärkt in atypisch geprägten Branchen stattfinden und ein Drittel aller erfassten Praktika unbezahlt geleistet werden; auch waren nur ein Viertel der Befragten regulär angestellt.
Das Unwissen über arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen von Praktika kann als groß bezeichnet werden: Knapp ein Drittel konnte das Beschäftigungsverhältnis des letzten Praktikums nicht nennen. Die Arbeit ohne Wert spiegelt sich auch in der geringen Wertschätzung, die die ArbeitgeberInnen PraktikantInnen entgegenbringen, wider. Ein knappes Drittel aller Befragten fühlte sich ausgenützt, vor allem auf die Gruppe der UniabsolventInnen trifft dies verstärkt zu.
Weitere Ergebnisse der Studie finden sich hier. Bereits über 160 Personen haben im letzten halben Jahr die Möglichkeit des Studien-Downloads genützt.


Ein zweites Highlight im Jahr 2007 war die Intensivierung der Vernetzungsaktivitäten. Neben den nationalen Gesprächen konnten mehrere internationale Kontakte aufgebaut werden. Neben einem Vernetzungstreffen mit der Initiative „Praktikum Offensive“ in Berlin im Februar und einem Gespräch mit einer Delegation der DGB-Jugend „Students at Work“ im September, stellte der Beitritt der Plattform zum internationalen Netzwerk Generation P eine gute Möglichkeit dar das Thema auf europäischer Ebene zu bearbeiten.
Unter der Koordination von Frauke Austermann wurde gemeinsam eine Petition erarbeitet und im November in Brüssel im EU-Parlament im Rahmen einer Konferenz vorgestellt. Die Petition setzt auf europäischer Ebene an und richtet sich an das EU-Parlament und die EU-Kommisson. Zentrale Forderung der Petition lauten: die PraktikantInnen-Beschäftigung in den EU-Statistiken zu berücksichtigen, von den Mitgliedsstaaten relevante Daten zu erfragen und das Phänomen zu erforschen. Weiters geht es um die Entwicklung europäischer Mindestnormen und Standards mit der Bezugnahme auf nationale Rahmenbedingungen.
Die Konferenz, an der auch EU-Kommissar Spidla teilnahm, ermöglichte einen Erfahrungsaustausch und eine erste Bewusstmachung der Problematik. Denn auch im EU-Parlament selbst werden unbezahlte Praktika für Studierende, aber auch AbsolventInnen angeboten.
Die Petition steht seit Ende November 2007 bis Ende März 2008 zur (elektronischen) Unterschrift bereit. Weitere Informationen zur Petition als auch die Möglichkeit zu Unterschreiben finden sich hier.
Im April werden im Rahmen einer Veranstaltung die Unterschriftenlisten dem EU-Parlament übergeben. Ranghohe  Politiker, wie Gerard Onesta, der Vize-Präsident des EU-Parlaments sowie Martin Schulz, der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament, haben die Petition bereits unterschrieben.

Ein spannendes nächstes Jahr steht also bevor.

Aktivitäten 2007

  • Überarbeitung des Webauftrittes
  • Medienarbeit (Berichte über die Plattform in folgenden Medien: Falter, der Standard, derStandard.at, die Furche, FM4-Beitrag, Gewerkschaftsjugendmagazin „hallo!“, DGB Magazin „Soli extra“ etc.) sowie einen Kommentar in der Zeitung medianet
  • Verbreitung des Plattform-Newsletters (insg. 13 Newsletter an verschiedene Zielgruppen)
  • Auswertung der Erhebung und Publikation der Studie „Arbeit ohne Wert? Strukturmerkmale der PraktikantInnen-Beschäftigung im Hochschulkontext in Österreich“, Präsentation und Verbreitung
  • Referate im Rahmen der Frauenfrühlingsuni der ÖH, des Journalistinnen-Kongresses und der Konferenz des Netzwerks Generation P „Generation P - Internships: A Form of Precarious Employment in Europe" in Brüssel
  • Teilnahme an der derStandard/T@lk Podiumsdiskussion „Praktikum – Risiko oder Chance“ auf der TU Wien im November
  • Durchführung von Vernetzungstreffen von Betroffenen (u.a. PraktikantInnen-Cafés) und einem Informationsabend zu arbeitsrechtlichen Basics in Kooperation mit der GPA-DJP Jugend im Depot
  • Internationale Vernetzungstreffen in Deutschland mit der Initiative „Praktikum Offensive“ u.a. von der deutschen JournalistInnenunion, des JournalistInnenverbandes und planetpraktika.de, sowie der DGB Jugend „Students at Work“ in Wien
  • Beitritt zum internationalen Netzwerk Generation P (Vernetzung mit Initiativen aus Deutschland (fairwork e.V., DGB-Jugend), Belgien (EPSA), Italien (Generazione 1000) und Frankreich (Génération précaire))
  • Mitarbeit bei der Petition der Generation P an das EU-Parlament und die EU-Kommission
  • Vernetzung mit nationalen Institutionen und Initiativen (GPA-DJP, GPA-DJP Jugend, „Tag der Arbeitslosen“ der Grünen, die Grünen, SPÖ, ÖVP, LIF, Industriellen Vereinigung, Arbeitsgruppe zum Thema AkademikerInnen-Arbeitslosigkeit, etc.)

Ausblick 2008

  • Bewerbung der Petition des Netzwerks Generation P
  • Weitere quantitative and qualitative Erforschung der PraktikantInnen-Beschäftigung
  • Weiterführung der aktiven Einbindung von zuständigen Institutionen durch Gespräche und Vereinbarungen
  • Weiterführung der PraktikantInnen-Cafés
  • Fortsetzung der Mitarbeit im Netzwerk Generation P und Mit-Herausgabe des erstens europäischen PraktikantInnen-Newsletters
  • Teilnahme am 3. Europäischen PraktikantInnen-Aktionstag am 1. April  2008 in Wien
  • Übergabe der Unterschriften der Petition in Brüssel im April 2008

Danke für das bisherige Interesse!
Das Plattform Team